St.-Joseph-Kirche

Glaube, Liebe, Hoffnung - Mit Gott in Schalke

Werktags riskieren sie ihr Leben unter Tage, an ihrem freien Sonntag beten sie in der St.-Joseph-Kirche um göttlichen Beistand. Und gemeinsam mit den Schalker Spielern beten sie für den nächsten Sieg. Selbst der Pfarrer ist in Schalke so Fußball-verrückt wie alle anderen.

Nervös rutschen die Menschen in den Bänken hin und her. Die St.-Joseph-Kirche ist bis auf den letzten Platz belegt. Und das, obwohl die Knappen gerade in Hannover gegen den Hamburger Sportverein um die Deutsche Meisterschaft kämpfen. An diesem 18. Mai 1958 findet zeitgleich zum Spiel die Schlussandacht zu Christi Himmelfahrt statt. Aber zum Glück ist Pfarrer Franz Kohle genauso Schalker wie sie alle. Während die Gemeinde in der Kirche sitzt und der Predigt des Pastors lauscht, sitzt Pfarrer Kohle am Rundfunkgerät der Sakristei und lauscht dem Spiel. Schon in der fünften Spielminute eilt er zum ersten Mal herüber. Von der Kanzel übermittelt er seiner Gemeinde die frohe Botschaft: Mannschaftskapitän Bernhard Klodt schießt die Schalker zur Führung - ihr Berni, der normalerweise jeden Sonntag mit ihnen im Gottesdienst sitzt. Noch zwei Mal kehrt Pfarrer Kohle zurück: Pünktlich zum Ende der Andacht verkündet er den Endstand von 3:0 - Schalke ist Deutscher Meister.

Live und vor Ort: Entdeckt das Fenster der heiligen Barbara in AR

Die heilige Barbara ist die Schutzheilige der Bergmänner. Seht in ihrem Fenster, was Schalke groß gemacht hat: Bergmänner, die Zeche Consolidation und die Emscher. Das Barbara-Fenster zeigt die Bedeutung der Arbeit unter Tage, der Maloche, für Schalke. Entdeckt es vor Ort im Quartier in AR.
Zum Babara-Fenster

In der St.-Joseph-Kirche kamen sie alle zusammen. Hier saßen die Männer, die montags bis samstags unter der Erde oder am Hochofen malochten, neben den Spielern, die sie sonntags nachmittags in der Kampfbahn Glückauf anfeuerten. Abends feierten sie die Siege und Meisterschaften gemeinsam am Schalker Markt und in den Kneipen entlang der Schalker Meile. Dieses alte Schalke versank tragischerweise im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs. Nach ihrem Wiederaufbau erinnerte die St.-Joseph-Kirche mit ihren neuen Kirchenfenstern daran, was Schalke zu dem gemacht hat, was es ist: die Industrie, allen voran Zeche Consolidation, die Zuwanderer, die hier ein neues Zuhause fanden, und der Fußball. Mit dem Kirchenfenster des heiligen Aloisius unterstrich die Gemeinde ihre tiefe Verbindung zum FC Schalke 04: Das gegen Ende der 1950er-Jahre eingesetzte Fenster zeigt den Heiligen in blau-weißen Stutzen und mit einer Pille am Fuß.

Wenn der FC Schalke 04 spielt, ist die Veltins-Arena jedes Mal fast bis auf den letzten Platz belegt. Selbst wenn die Knappen in der 2. Bundesliga antreten, pilgern 60.000 Menschen zum Spiel. Dafür wurden im Laufe der Zeit die Bänke in der St.-Joseph-Kirche Sonntag für Sonntag leerer. Am Silvesterabend 2019 fand nach 125 Jahren der letzte reguläre Gemeindegottesdienst in der Kirche statt. Zu sehr war die Mitgliederzahl der Gemeinde in den Vorjahren zusammengeschmolzen. Von ihrer symbolischen Strahlkraft hat die St.-Joseph-Kirche aber nichts eingebüßt: Kein Ort in Schalke verdeutlicht mehr, wie die Menschen des Stadtteils durch Glauben, Verein, Bergbau, Industrie und Maloche miteinander verbunden waren.

AR an der St.-Joseph-Kirche

Zum Aloisius-FensterZum Barbara-Fenster
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